Wissenschaftliche Tagung zum Thema:

Konrad I. – der König, der aus Hessen kam

Fulda und Reich an der Wende vom 9. zum 10. Jahrhundert (Arbeitstitel)

November 2004 (ggf. Februar 2005)

Das Königtum Konrads I., der nach nur siebenjähriger Amtszeit im Jahre 918 verstarb und in Fulda bestattet wurde, fällt in eine Zeit des Übergangs. Konrads Herrschaftsantritt nach dem Tode des letzten ostfränkischen Karolingers im Jahre 911 markiert das Ende des unter Karl dem Großen auf weite Teile Mittel- und Westeuropas ausgedehnten Karolingerreiches, das noch im Laufe des späten 9. Jahrhunderts in fünf Königreiche zerfiel (West- und Ostfranken, Hoch- und Niederburgund sowie Italien). Gleichzeitig beginnt mit Konrad die lange Reihe der ostfränkisch-deutschen Könige in einem sich nach und nach konsolidierenden deutschen Reich, das maßgeblich durch die Stammesherzogtümer der Franken, Sachsen, Schwaben und Bayern repräsentiert wurde. In Konrad, dem Frankenherzog aus dem im Hessen- und Lahngau sowie in der Wetterau begüterten Geschlechts der Konradiner, lagen in einer Zeit des Umbruchs und der kriegerischen Auseinandersetzungen infolge des Machtvakuums die Hoffnungen auf eine Stabilisierung und Neuordnung der Verhältnisse im ostfränkisch-deutschen Reich. Konrad wurde diesen Erwartungen nicht gerecht und verband sich stattdessen mit den immer mächtiger werdenden Bischöfen gegen die Stammesherzöge, durch deren Wahl er erst zum König geworden war. Sein Ziel, ein neues kraftvolles Königtum zu errichten, scheiterte am Widerstand der Herzöge sowie an äußeren Bedrohungen wie den Ungarneinfällen, nicht zuletzt aber an der Begrenztheit von Konrads militärischen und politischen Mitteln. Insofern erscheint es aus heutiger Sicht als dessen größte Tat, dass er auf seinem Totenbett angesichts der weitgehenden Machtlosigkeit der eigenen Herrschaft den ungleich stärkeren Rivalen Heinrich von Sachsen als Nachfolger empfahl. Mit dessen Linie, den ottonischen Königen und Kaisern, knüpfte das deutsche Reich wieder an die karolingische Tradition an. Die Regierungszeit Konrads I. erscheint somit im Rückblick als Nahtstelle am Übergang von den Ausläufern des übernationalen Karolingerreiches zum römisch-deutschen Kaiserreich der Ottonen.